Samstag, 17. November 2012

David Garrett Rock Anthems 2012 in Oberhausen


13.11.2012. Eine große Menschenmasse wartet vor der König Pilsener Arena auf die Öffnung der Pforten. Die Mitarbeiter sehen mitleidig in die Gesichter der frierenden Gäste, erweichen ihr Herz und lassen sie rein. Ein Ansturm folgt. Nicht etwa auf die Garderobe, sondern auf den merchandising Stand. Programme, CDs, T-Shirts - all das wird erfolgreich unter das Volk gemischt. Knabbereien, Getränke - wie im Kino. Es heißt noch etwas warten, bis die Türen zur Halle geöffnet werden. Geduldig stehen die Leute in Reihen an. 3,2,1 - es geht los. Auf die Karte starrend und fast stolpernd gehen die Gäste die Treppe hinab. Wo sitze ich? Fragen sie sich. Ich steuere direkt auf Block 1 zu, schleiche mich an den Servicekräften vorbei und muss mich damit abfinden, auf einem Klappstuhl zu sitzen. Die Plätze in der Mitte sind eigentlich Stehplätze, darum wurden Klappstühle, als komfortabel genug angesehen. Für sein Geld kriegt man eben doch was. Ein roter Vorhang umhüllt die Bühne. Mit leuchtender Schrift kann man Rock Anthems lesen. Dank einiger Gäste, die ihre Plätze nicht finden, oder einfach keine Uhr tragen, verspätet sich die Show um wenige Minuten. Endlich sind Orchestermitglieder zu sehen, die unbemerkt auf die Bühne schleichen. Dunkelheit. Überall sieht man Lichtstrahlen die kreuz und quer durch das Publikum gefahren werden. Fragende Gesichter. Wo ist er? Steht er gleich neben mir? - Fragen sich viele. Das Lied Welcome to the Jungle von Guns N' Roses wird angespielt. Der Vorhang steht. Nach fast einer Minute endlich der erlösende Fall und David Garrett steht auf einem hoch gefahrenem Podest, um ihn herum ranken sich Blitzäste. Ein Einstieg mit Wow-Effekt. Dazu nicht genug. Auf der Bühne stehen noch vier Tänzerinnen im hautengen Outfit, die sich komischen Verrenkungen aussetzen, die angeblich als Tanz zu identifizieren sind. Diese vier Damen tauchen während der Show noch öfter auf. Leider überzeugen sie nur in einer einzigen Performance und zwar zu der von David Garrett's gecoverter Version von Sandstorm. Mit einem Ganzkörperanzug wurden ihre akrobatischen Züge an die Leinwand projiziert und gekonnt in Szene gesetzt. Sie scheinen auf Hochhäusern zu stehen und als David Garrett sich wieder in die Mitte hinspielt, setzen sie einen Sprung an, der sie vom Hochhaus fallen lässt. Ein gelungener Effekt und Einsatz der Tänzerinnen. Leider auch der Einzige. Bei ihrem Tanzdebüt zu 1000 Pipers erinnerten sie einen nämlich eher an das legendäre Musikvideo von Hit Me Baby One More Time. Ein Schottenrock, der eher als Gürtel durchgehen könnte, Kniestrümpfe, weißes Oberteil mit Krawatte und Zöpfchen. Damit nicht genug. Das Tanzbein wurde geschwungen und die Unterwäsche war nun kein Geheimnis mehr. Unnötig und unpassend für einen David Garrett. Bei ein, oder zwei Liedern, wäre so eine Showeinlage ganz nett zur Untermalung gewesen. Allerdings kamen sie zu gehäuft vor, teilweise zu Liedern, bei denen sie überflüssig waren und eher den Fokus von der Musik nahmen, da man sich erstmal für die Kostüme fremdschämen musste. Davon abgesehen, dass die Choreografien dürftig waren. Für die nächste Tour ließe es sich gut auf sie verzichten. So würde der Fokus auch wieder mehr auf die Musik gelegt.



Ich mein ich saß etwa dort, wo ihr die Markierung sehen könnt. Vielleicht auch etwas weiter vorne. Auf jedenfall ist der Block richtig. Die Fotos wurden mir übrigens netterweise von der DEAG zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön für die vielen Mühen!

Apropos Musik. Dank übertriebener Lichteffekte geriet sie leider etwas in den Hintergrund. Wer weiter vorne saß wurde oft geblendet. Die große Leinwand wurde häufig für diverse Effekte genutzt. Bei Fuliculi Fulicula wurde werfendes Konfetti dargestellt, bei Yesterday ein Fotoalbum aufgeklappt mit intimen Fotos aus David Garrett's Kindheit, natürlich datiert. Ganz nett, aber die Gäste die weiter hinten sitzen mussten, hätten es wohl bevorzugt, wenn auf der Leinwand nur die Bühne und David selbst gezeigt worden wäre. Dies wurde natürlich öfter gemacht, teilweise auch auf eine süße Art umgesetzt. Bei Leningrad in etwa wurde ein Schloss mit fallenden Schneeflocken dargestellt - später näher herangezoomt und die Tür geöffnet, wohinter das Bild von David auf der Bühne spielend erschien. Nicht nur mit Lichteffekten wurde wenig gespart, sondern auch mit Feuer. Ab und an wurden Flammen empor gestoßen, oder ein kleines Feuerwerk veranstaltet. Kurzum, es wurde so viel auf Show und Schnick Schnack gesetzt, dass man sich oft in ihnen verlor und die Musik mehr und mehr in den Hintergrund geriet. Wenn man es von David nicht besser wüsste, könnte man meinen, er würde von seiner Musik ablenken wollen. Gerade die steht bei David Garrett aber im Fokus. Man lauscht ihm und seiner Busch Stradivari gerne und dafür bezahlt man. Showeinlagen wie David, schwebend im Konzertsaal zu Smells Like Teen Spirit sind bestaunenswert und nett zu sehen. Allerdings sollte man den schmalen Grad zur Übertreibung nicht überschreiten und genau dies war leider der Fall. Unterhaltung war schon durch seine komischen Anekdoten genug gegeben. Zu einem senitmentalen Lied sein Team vorzustellen und auch Danke zu sagen ist auch sympathisch. Eventuell könnte man ihm auch das Video seiner James Bond Qualitäten anrechnen, wenn es nicht mit willkürlichen Action-Szenen geprägt wäre - an dieser Stelle frage ich mich, warum man bei diesem kleinen Filmchen nicht einfach eine Story gemacht hat, in der jemand David Garrett's Stradivari stiehlt und er sie sich ereignisreich wieder beschafft.
Showeinlagen, die eher an Konzerte von den Popdiven erinnern, passen nicht zu David Garrett. Die Zuschauer interessieren sich auch nicht für untalentierte Tänzerinnen, sondern für den talentierten Geiger und seiner Band. Eine tolle Stimmung erreicht er bei seinem Publikum schon durch die Auswahl seiner Stücke und seiner Bühnenpräsenz. Bei We Will Rock You ist es sofort dabei, klatscht in die Hände und hat seinen Spaß. Da braucht man keine pulsierenden Lautsprecher auf der Leinwand, sondern vielmehr eine Sequenz bei der das Publikum selbst reflektiert wird, wie es mitagiert und danach ein Schwenker zurück zu David, damit die Leute von weiter hinten, mehr von ihm zu sehen bekommen. David Garrett sollte wissen, dass seine Fans seinetwegen und wegen seiner Musik dort sind. Da braucht er sie mit solchen Einlagen nicht noch mehr zu überzeugen. Den Spaß hat man dort auch mit weniger. Er sollte sich vom Stil her vielleicht lieber mehr an seine Klassikkonzerte orientieren und nicht versuchen, einen zu sehr auf Rockstar zu machen. Wie gesagt, einige Einlagen waren echt gut durchdacht und auch interessant, aber es war einfach zu viel. Back to Basics kann ich da nur sagen. Die Fans würden es auch mit weniger toll finden. Meine zwei großen Highlights waren übrigens die Beethoven Scherzo - auch wenn mir die Aufgreifung seiner Anekdote, dass er als Kind mit einem Füllfederhalter dazu dirigiert und die Wände ruiniert hätte, mit ständiger Einwerfung von Tintenkleckser auf der Leinwand, eher störend erschienen - und die Variation eines Themas von Corelli im Stile von Tartini. Ich bin und bleib eben doch ein Klassikfan und wenn ich wieder ein Konzert von David Garrett besuchen sollte, wird es wohl eher ein Klassikkonzert werden, auch wenn die Tickets da viel teurer sind...



Wer noch mehr Eindruck haben möchte, kann sich auf NDR ein Video aus seiner Show in der O2-World anschauen.

Kommentare:

  1. zu negativ ? Nein ! am Ende zu Mitten im Leben ? Nein !
    Du bist genial, haha.

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  2. Hattest ja einen richtig guten Platz. Ich fahr im Juni auch wieder zum Konzert <3

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  3. Oh wie toll! :) Da möchte ich auch mal hin!

    Sag, hast du denn dein Päckchen schon?

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  4. Ich geh ja lieber auf Heavy Metal Konzerte, aber es ist natürlich enttäuschend, wenn der Fokus nicht auf die Musik, sondern lieber auf halbnackte Feauen gelegt wird. Ansonsten ist ja nichts gegen Bühnenshow zu sagen, nur eben, wenn es zuviel ist... Hoffe, du hattest trotzdem deinen Spaß!

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  5. Naja... aber ich denke mir, die Erfahrung war es bestimmt wert. Auch wenn der Fokus auf anderen Dingen lag und die Geige nicht so sonderlich viel mit nackten Frauen zu tun hat ;) Wenn man die Musik kennt und sie dennoch liebt, dann genießt man das Konzert irgendwie trotzdem!? Auch wenn ich um ehrlich zu sein nicht so der große Konzertfan bin. Und dieses ganze Gedrängel und Herumgeschubbse wie die Pest hasse. :) Ich würde trotzdem hin gehen! Weiß gar nicht, ..kommt Garrett eigentlich nach Wien?

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  6. Oh, das ist ja auch nicht gerade fein von Besoffenen angepöbelt zu werden :D Weißt du eigentlich, dass ich mir nie gedacht hätte, dass du Klassik-Fan bist? Find's aber echt klasse!!!!

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  7. Sehr toll geschriebener Text und alles sehr gut verpackt. :)

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  8. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  9. Fotos sind cool, aber das konzert hört sich ja mehr nach sex sells als nach nem "klassik" konzert an...

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  10. er hat so süßes Lächeln :')
    übrigens hübsches Bild da oben links in der Ecke bei der Beschreibung - schöni ! ♥

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  11. Ja, die habe ich. :)

    http://www.jacqueline-paradise.com/2012/10/170-herbst-accessoires.html :P

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  12. Nein, eher weil sie sich rausgewaschen hat. Selbst die richtige Farbe ging immer wieder raus. Beim Ansatz musste ich immer mit blondieren, da meine Haare sehr schnell wachsen war das alle paar Tage.
    Mich hat das auch gewundert das das braun schon beim zweiten mal Haare färben abgedeckt hat.

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  13. Und schon wieder ein tolles Post von dir mit einem tollen Erlebnis :)

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  14. ooofff bende orda olmayi ne kadar isterdimmm !!!
    harika !!!!

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  15. Toller Post! Da wär man gern dabei gewesen...
    Schau auch mal bei mir rein, würde mich freuen…
    LG
    Christiane
    http://bikelovin.blogspot.de/

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  16. Er saß mir auf der Fashionweek direkt gegenüber und war mir sehr sympathisch :)

    Liebste Grüße ViktoriaSarina

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  17. So, jetzt komme ich auch endlich ml dazu den Bericht zu lesen.
    Das klingt ja wirklich eher nach einem Rockkonzert und nicht nach David Garrett :/
    Vor allem die leicht bekleideten Damen hätte man sich echt sparen können. Wirklich schade.
    Auch wenn es sicher ein Erlebnis gewesen ist.

    Liebste Grüße.

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